Diakonie Mitteldeutschland

04.04.2006 | Kinderbuch-Spendenaktion mit großer Resonanz

Aus Anlass des Internationalen Kinderbuchtages am 2. April hatten in den letzten Märztagen 27 Einrichtungen der Diakonie Mitteldeutschland zu Bücherspenden aufgerufen. Im Rahmen des Jahresthemas der Diakonie Mitteldeutschland „Wenn Armut Mauern baut“ sollte mit der Kinderbuch-Aktion verdeutlicht werden, dass Armut auch in Deutschland zu nachweislich geringeren Bildungs- und Entwicklungschancen führt. Die Resonanz fiel in den einzelnen Orten in Thüringen und Sachsen-Anhalt unterschiedlich, aber zum Teil überwältigend aus. Schätzungsweise 3.000 Bücher wurden am Montag und Dienstag übergeben (3./4. April), in vielen Orten ist die Aktion nur der Startschuss für Weiteres.
Vor allem in Kindertagesstätten und in Tagestreffs wurden die Bücher übergeben, denn die zunehmende Armut von Familien ist auch hier spürbar. Vermehrt müssen Kinder auf zusätzliche Angebote der Kindertagesstätten und darüber hinaus verzichten, wenn diese mit Kosten verbunden sind. Eine Beteiligung an Aktionen, wie z. B. Schwimmkursen oder Ausflügen wird häufig nur durch solidarisches Engagement von Eltern und Erzieherinnen ermöglicht. Darüber hinaus zeigt sich den Erzieherinnen deutlich, dass in vielen Familien das verfügbare Budget gerade ausreicht, um laufende Lebenskosten zu decken. Gespart wird dann oft bei allem, was mit Kultur und Bildung zu tun hat. Das heißt: Keine Bücher, kein Theater- oder Museumsbesuch, keine Teilhabe an Bildungsangeboten. Zuletzt bleibt oft der Fernseher die einzige Alternative. Armut hat in Deutschland viele Gesichter.
In Halle wurden mehr als 500 Bücher in dem CVJM-Kinderhaus „Schnitte“ übergeben. Der Verein der Freunde der Stadtbibliothek hatte die Aktion mit einer großen Bücherspende unterstütz, viele Hallenser hatten Bücher in der Kleiderkammer der Stadtmission abgegeben. Radio, Fernsehen und Tageszeitung berichteten am 3. April ausführlich von der Übergabe.
In der „Schnitte“ in Halle-Neustadt erhalten Kinder aus sozial- und einkommensschwachen Familien bereits vor Schulbeginn ein Frühstück, nach der Schule gibt es eine warme Mahlzeit und Unterstützung bei den Hausaufgaben. Jetzt kann in der Wohnung im Hochhaus auch eine Leseecke eingerichtet werden. Halle ist in der Armutsstatistik Spitzenreiter in Sachsen-Anhalt. Mehr als ein Drittel der Kinder unter 15 Jahren gelten in der größten Stadt des Landes als einkommensarm bzw. leben von Sozialgeld.
Bildung ist Armutsprävention. Gute Kinderbücher vermitteln durch Buntheit, Spannung und Phantasie auf einem leichtgängigen Weg Bildung und Horizonterweiterung. Außerdem hilft ein wertvolles Kinderbuch zumindest ein wenig die seelische Vernachlässigung überwinden, unter der viele Kinder in armen Familien leiden. Denn Armut bedeutet nachweislich auch Stress.
In Kindertagesstätten, Fördereinrichtungen, Beratungsstellen, Kleiderkammern, Tafeln und Suppenküchen engagieren sich in Thüringen und Sachsen-Anhalt täglich hunderte haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Diakonie, damit Betroffene die „Armutsmauern“ überwinden können.
Der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Bildungschancen ist in Deutschland so groß wie in keinem anderen westlichen Land.
 
 
Kinder brauchen Urlaub. Schenken Sie mit!
Spenden Brot für die Welt